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#wirsindalleAntifa

Zwei Wochen nach der Veröffentlichung können wir erste Reaktionen auf den Report auswerten. Die breite Öffentlichkeit reagierte allgemein sehr positiv und der Report hat schnell eine große Reichweite entwickelt. Aber wir wären nicht immer noch in Kaltland, wenn es kein dickes “Aber” gäbe.

Scheinbar hat der Report im gewaltbereiten Essener Faschomilieu sehr viel Unruhe erzeugt. Und die Polizei sieht in unserem Report eine derartige Provokation, dass die vergangene Demonstration von “Aufstehen gegen Rassismus (AgR)” am 09.01.2020 deutlich eingeschränkt werden sollte: Angekündigte Fotoverbote und Handykontrollen waren die Folge. Die Handykontrollen wurden schliesslich nicht umgesetzt, und auch eine erfolgreiche Demonstration mit etwa 400 Teilnehmenden und ein Soli-Foto auf der Steeler Bahnhofsbrücke konnte stattfinden. Allerdings wurde das Fotoverbot bezüglich Nicht-Teilnehmenden der Demonstration, die entlang der Route auftraten, weitestgehend Steeler und Huttroper Jungs, umgesetzt.

Allein schon die Ankündigung von Fotoverboten und Handykontrollen sehen wir als Repression an weil das u.A. potenziell Teilnehmende einschüchtern kann.

Update 23.01.: Die Annahme, die hinter dem letztlich umgesetzten Fotoverbot durch die Polizei liegt, ist, dass Fotos von den Steeler Jungs auf den antifaschistischen Demonstrationen in Steele gemacht werden. Im Report jedoch wurden nur öffentlich zugängliche Fotos und Daten verwendet. Diese haltlose Repression durch die Polizei, die Auflagen, die Aufstehen gegen Rassismus wegen einer Veröffentlichung von einer unabhängigen Gruppe auferlegt bekommt, müssen wir im Kontext von Kriminalisierung antifaschistischer Arbeit betrachten, in der die Polizei und andere staatliche Organe die Hauptrolle tragen.

Dieser Kriminalisierung antifaschistischer Arbeit kann nur mit einer breiten öffentlichen Solidarisierung entgegengewirkt werden: #wirsindalleAntifa.

Eine schlechte Nachricht für den Januar: Am 30.01. werden wir wegen der angespannten Lage keine Demonstration in Essen-Steele veranstalten.

Aber: Wir lassen uns nicht einschüchtern – und wir sind nicht alleine. Die ganze Stadt hat genug von den Nazi-Umtrieben der Steeler Jungs. Solange das faschistische Netzwerk namens “Steeler Jungs” besteht, das sich aus rechten Gruppen, Rot-Weiss-Essen-Hooligans und Bandidos, rekrutiert, wird es notwendig sein, dagegen vorzugehen und diese Netzwerke und Täter zu enttarnen. Die Öffentlichkeit muss erfahren können, wer ihre potenziellen Angreifer sind. Das gilt insbesondere dann, wenn staatliche Organe nicht in der Lage/nicht willens sind, gegen die Naziaufmärsche vorzugehen und Menschen gegen die Übergriffe der „Steeler Jungs“ zu schützen.

Wir rufen damit alle parteiunabhängigen Kollektive auf, Veranstaltungen in Steele zu machen. Hacker*innen, Mieter*innen, Künstler*innen oder Seebrücke – bringt antifaschistische Inhalte nach Essen-Steele. Demonstrationen und Veranstaltungen, die wir gut finden, werden wir selbstverständlich unterstützen.

Die Gruppe der Steeler Jungs wurde lange nicht als Netzwerk umfassend analysiert. Umso mehr freut es uns, wenn weitere Medien und Akteure darauf aufmerksam werden, und auch Recherchen zu den Steeler Jungs publizieren. Es sollte auch gemeinsames Anliegen sein, die Übergriffe aufzuklären, und exakt Personen zu identifizieren, die übergriffig werden; so wie Personen, die Radikalisierungsprozesse anstossen, herauszustellen. Leider scheinen einige Medien trotzdem aktuell noch nicht willens zu sein, die Situation in Steele akkurat zu erfassen und die Tätergruppe klar zu benennen. Kritik an der Polizei ist spätestens jetzt ebenfalls angebracht.

Auch das Statement der Steeler Jungs, sich jetzt Dienstags von 17-20 Uhr in Steele “richtig auszuleben”, ist mehr als eindeutig, und zeigt mal wieder ihre faschistische Ideologie auf, in der sogar ein Rückschlag wie der missglückte Donnerstag als Wiedergeburt gefeiert wird. (Update 16.02.2020: Dienstags wird gegen die Aufmärsche der Steeler Jungs von verschiedenen Gruppen Kundgebunden/Gegenprotest angemeldet.)

Wir freuen uns, dass in Herne vergangenen Dienstag (14.01.) seit Längerem kein Marsch der „Bruderschaft“ stattfand. Die Steeler Jungs wurden dort dienstags definitiv als Unterstützung abgezogen. (Update 23.01.:Allerdings meldet die Herner Bruderschaft jetzt Donnerstag, am 23.01. um 18.30 Demonstrationen an. Der Donnerstag wurde damit vorerst nach Herne verschoben.) Dies betont wieder den NRW-weiten Klüngel um Bruderschaft Deutschland, Steeler Jungs, Roeseler und anderen Nazis.

Die Vorwürfe der Polizei sind absurd und wir machen weiter wie bisher und werden auch allen faschistischen Akteuren Essens weiterhin so lange auf die Nerven gehen, wie es notwendig ist. Aber wir nehmen die repressive Situation zum Anlass, auch im Angesicht des neuen Polizeigesetzes, sich vermehrt mit Repression und Überwachung auseinanderzusetzen: Ein Anfang ist die Seite „Datensicherheit“ auf unserer Homepage, die in der kommenden Zeit erweitert wird.

Wir bedanken uns außerdem bei allen Freund*innen, die mit uns in den vergangenen Wochen und Monaten zusammengearbeitet und uns solidarisch den Rücken gestärkt haben. So darf es gerne weitergehen!
Wir sehen uns
Antifa Essen West 2020